High-Tech aus heimischer Entwicklung und Produktion

Als unlängst der 40 Millionen teure Anbau des Herz- und Diabeteszentrums (HDZ) in Bad Oeynhausen eröffnet wurde, sind zurecht nicht nur die exklusiv ausgestatteten Pflegestationen, sondern vor allem auch die neuen Operationssäle in den Mittelpunkt gerückt worden. Insbesondere der Hybrid-OP-Saal, der wohl deutschlandweit der modernste seiner Art sein dürfte, findet berechtigterweise enorme Beachtung. Doch wer glaubt, dass die Komponenten dieses mit seiner Ausstattung wegweisenden Hybrid-OP-Saals sämtlich aus High-Tech-Schmieden fern unserer heimischen Region stammen, unterschätzt die Kompetenz der Unternehmen aus Ostwestfalen.

Das aus dem Lateinischen stammende Wort Hybrida bedeutet soviel wie Bündelung, Mischung oder Kreuzung. Den daraus abgeleiteten Begriff „Hybrid“ findet man heute in Wissenschaft und Technik immer dann, wenn mindestens zwei verschiedene Verfahren, Techniken oder Methoden kombiniert werden. Entsprechend stellt der im HDZ kürzlich in Betrieb genommene Hybrid-OP eine Kombination eines herkömmlichen Operationssaals mit einem Herzkatheterlabor dar.

In Hybrid-OPs steht den Operateuren umfangreiche bildgebende, gerätegestützte Diagnosetechnik zur Verfügung. In Bad Oeynhausen ist hierzu ein Computertomograph in den Operationssaal integriert. Die Vielzahl der in allen medizinischen Disziplinen aus einer solchen Kombination erwachsenden Vorteile sorgt dafür, dass immer mehr und fortschrittlichere Hybrid-OPs eingerichtet und zum Wohle einer zunehmenden Zahl von Patienten genutzt werden, weil den Medizinern hier deutlich komfortablere, schonendere und bessere Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten an die Hand gegeben werden. Und das Patientenwohl steht heute mehr denn je allerorts ganz oben an.
 

Sehen, was man nicht sieht


Noch in den 80er Jahren konnte es passieren, dass Patienten in einer Klinik zunächst mittels klassischem Röntgengerät untersucht, dann operiert und anschließend gegebenenfalls erneut geröntgt wurden, um das Ergebnis der Operation zu überprüfen. Sofern zeitnah zur Operation aktuelle diagnostische Informationen benötigt wurden, waren in diesen Fällen zusätzliche, oft risikoreiche Transporte nötig, die gerade in kritischen Situationen wertvolle Zeit verschlangen und überdies das Infektionsrisiko erhöhten. Eine sofortige Ergebniskontrolle war - über konventionelle Ultraschall-Untersuchungen hinaus – damals oft nicht verfügbar.

Wie ein echter Quantensprung mutet es dagegen an, wenn Chirurgen und Kardiologen heute mittels modernster Diagnose- und Darstellungstechnik im Hybrid-OP optisch aufbereitete Informationen über den Operationsbereich in Echtzeit jederzeit verfügbar haben.

Zwei Aspekte kommen hier zusammen: Zum einen sind modernste Diagnoseapparaturen direkt im OP  – meist am so genannten „C-Bogen“ - untergebracht und können - typischerweise robotergeführt – in Sekunden mit größter Exaktheit in jede gewünschte Position gebracht werden, ohne dass der Patient transportiert werden muss. Zum anderen eröffnet die bildgebende Technik eine 3D-Sicht auf den zu behandelnden Bereich, ermöglicht dort die exakte Navigation und erlaubt bei entsprechender Konfiguration, dass auch kleinste Segmente, wie beispielsweise feine Gefäßabschnitte, aufgezoomt werden können, was zu genaueren Beurteilungen und Maßnahmen führt.

Präzise und dreidimensional zu erkennen, was man mit eigenen Augen nicht sehen kann, beschert einen epochalen Fortschritt, der zu erheblichen Qualitätsverbesserungen im entsprechenden medizinischen Wirkungsfeld führt. Schnelle, sicherere Entscheidungen der Operateure, weggenaue, präzise Operationsführung – Stichwort: computerassistierte Navigation – und die daraus resultierenden Qualitätsverbesserungen gehören also zu den hochwillkommenen Früchten eines Hybrid-OP und lassen spürbar bessere Heilungsergebnisse zu.

Die Operateure und ihre Teams profitieren aber auch von der deutlich verbesserten Ergonomie im Operationssaal. Sie können noch präziser agieren und zudem die Qualität ihrer Arbeit jederzeit während der Eingriffe überprüfen. In der Unfallchirurgie werden mithilfe interoperativer 3D-Aufnahmen beispielsweise korrekte Repositionierungen auch bei komplexen Brüchen erreicht, ohne dass nachträgliche, für den Patienten belastende und zudem kostspielige Korrektureingriffe nötig würden. In der Herzchirurgie kann ein Hybrid-OP eine perfekte Symbiose aus einem Herzkatheter-Labor und einem Herzchirurgie-Operationssaal bieten, in dem Chirurg und Kardiologe optimal zusammenwirken und zeitgleich operieren können, wofür das Herzzentrum in Bad Oeynhausen ein exzellentes Beispiel bietet. Der Hybrid-OP ermöglicht auch, aufwendige Eingriffe, durch minimal-invasive, zum Beispiel Katheter-gestützte Maßnahmen zu ergänzen oder auch partiell zu ersetzen.


Essenzielle Voraussetzung für den maximalen Nutzen der an den hochbeweglichen C-Bögen installierten diagnostischen Komponenten ist ein optimales und komfortables Handling, woraus entsprechende Herausforderungen an die Geräte-Entwickler resultieren. Der Operateur soll von seiner Position aus, je nach Bedarf, das bildgebende Gerät schnell und millimetergenau navigieren, rotieren und mit extremer Wiederholgenauigkeit repositionieren können.

Ein erheblicher ergonomischer Gewinn resultiert hier insbesondere aus der Möglichkeit, die eingesetzten Großbildschirme in der optimalen Blickposition für die Operateure zu positionieren, sodass sie während des Eingriffs die betreffenden Monitore im Blickfeld haben, ohne sich vom Patienten abwenden zu müssen. Während früher Monitore und C-Bogen auf separaten Schienen gefahren wurden, hat sich heute die so genannte Inline-Technik etabliert, bei der alle Elemente auf einer Schiene bewegt werden, was erhebliche Anforderungen an die Steuerungstechnik mit sich bringt. Die verschiedenen Darstellungsmethoden bzw. –aspekte erfordern dabei die Begutachtung von mehreren Ansichten bis hin zu Bild-Überlagerungen. Dazu kommen noch optionale Kommunikations-Bildschirme für die etwaige Hinzuziehung von Experten aus anderen Kliniken. Die Forderung, acht oder mehr große Monitore im Sichtbereich zu bewegen, dürfte keine Seltenheit bleiben.

Hier sind geeignete Produkte und innovative, kompetente Hersteller gefragt. Als Tragarm-Spezialist und Präzisionstechnik-Hersteller hat die HASEKE GmbH & Co KG aus Porta Westfalica sehr früh erkannt, welches hochinteressante Arbeitsfeld und welches enorme Entwicklungspotenzial im Bereich des Hybrid-OP zu erschließen ist und seine Produkte für die Medizintechnik entsprechend fortentwickelt. Heute hat das heimische Unternehmen, das in erster Linie große Medizintechnikhersteller beliefert, in seinem Segment einen mehrjährigen Technologievorsprung und liefert spezielle, extrem leichtgängige Präzisions-Tragsysteme, die in der Medizintechnik einzigartig sind. HASEKEs optimal zu manövrierende Tragarme mit beträchtlichen Tragfähigkeiten und Reichweiten, die nahezu das volle Volumen auch von über 70 qm großen Hybrid-OPs überstreichen, findet man deshalb heute nicht nur im „Haseke Medical“-Produktsegment des Portaner Technologieführers, sondern nun eben auch im maßstabsetzenden Hybrid-Operationssaal im Oeynhauser Herz- und Diabeteszentrum.

Die Zukunft hat dort längst begonnen.